Glücksburg
Eine Legende für Anni
In den alten Zeiten, lange bevor das Kreuz die nordischen Götter vertrieben hatte, war das Land an der heutigen Flensburger Förde ein dunkler Ort. Dort, wo heute Schloss Glücksburg aus den Wassern des Stausees ragt, lag eine Opferstätte im tiefen Wald. Sie war dem Schattenmann, dem Herrn über die Dunkelheit geweiht und wurde von den Lebenden gemieden. Die Menschen fürchteten den Schattenmann, da er die sichtbare Welt in sein dunkles Reich ziehen wollte. Alle zwölf Jahre bei Neumond erschien der Schattenmann an der Schwelle zwischen den Welten und streckte seine Hände suchend aus.
Lange Zeit lebten die Menschen in Angst und versuchten, den Schattenmann durch Opfergaben zu besänftigen. Die Ältesten brachten alle zwölf Jahre das Wertvollste ihrer Dörfer zu dem morastigen Loch, aus dem der Schattenmann seine Hände streckte. So verfiel das Land in Armut und Elend.
So ging es viele Jahrhunderte und erneut jährte sich der Tag, an dem der Schattenmann erscheinen würde. Da kam ein Schwanenpaar geflogen und landete, der Zufall weiß warum, auf der moorigen Fläche, die das grauenhafte Loch umgab. Die weißen Tiere schienen sich an der düsteren Ausstrahlung ihres Rastplatzes nicht zu stören. Sie putzten sich mit aller Sorgfalt und begaben sich in dem öligen Wasser, welches das Loch ausfüllte zur Ruhe.
Als nun die Ältesten der umliegenden Dörfer sich näherten um ihre Opfer darzubringen, erschraken sie beim Anblick der schönen Tiere. Sie fürchteten um deren Wohl und versuchten sie von dem Pfuhl wegzulocken. Die Schwäne aber blieben unbeirrbar und verharrten seelenruhig auf ihrem Rastplatz. Als nun die Zeit des Erscheinens gekommen war, verwunderten sich die alten Männer. Nichts geschah. Lediglich ein dunkles Rumoren war aus der Tiefe zu hören und das Wasser des Lochs begann zu vibrieren. Die beiden Schwäne schien dies nicht zu stören. Sie schauten mit elegant gebogenen Hälsen unergründlich auf die Wasseroberfläche und regten sich nicht. Lange noch verweilten die Männer an ihrem Ort und erwarteten jeden Augenblick die gefürchtete Erscheinung. Aber nichts geschah. Seit Jahrhunderten war der Schattenmann das erste mal nicht gekommen.
Die Schwäne blieben und wurden von den Bewohnern umsorgt, behütet und verehrt. Auch in den folgenden Jahren blieb das Erscheinen des Schattenmannes aus. Die Menschen stauten das Wasser der Schwennau auf um den See der Schwäne zu vergrößern. Die Schwäne dankten es ihnen und blieben dem Ort treu. Nie wieder hat sich der Schattenmann gezeigt. Aber als Warnung war alle zwölf Jahre zu Neumond das bedrohliche Rumoren aus dem Untergrund zu vernehmen.
Das Land kam zu Wohlstand. Ein Kloster wurde errichtet, Herzöge und Fürsten erfreuten sich an den reichen Erträgen der fruchtbaren Gegend. Aber nie vergaß man die Gefahr, die vom Schattenmann ausging. An der Stelle im See, an der sich der Schattenmann gezeigt hatte, wurde eine Insel aufgeschüttet, die den Schwänen als Ruheplatz dienen sollte. Sie trägt den Namen Schwaneninsel. Später wurde ein prächtiges Schloss im See errichtet, um die Insel zu bewachen. Noch heute ist Schloss Glücksburg in aller Welt für seine Schönheit bekannt. Den Nachkommen der Schlossherren von Glücksburg ist die Aufgabe übertragen, die Schwäne des Sees zu beschützen um den Schattenmann von unserer Welt fernzuhalten. Bis heute haben sie diese Pflicht treu erfüllt. Aber das Wissen um die Macht der Schwäne droht in Vergessenheit zu geraten.
Quelle: Diese Legende ist so wahr, daß sie erfunden werden mußte
Moin! Besten Dank und liebe Grüße aus Flensburg!
(https://www.flensburg-anzeiger.de/)
Mein lieber Schwan … 🙂
Sehr schönen, die zeige ich Anni morgen 😉 Timo